Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen

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Der Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten oder tumorbedingten chronischen Schmerzen wurde 2005 für Deutschland vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt. Die erste Aktualisierung des Expertenstandards wurde im Dezember 2011 unter dem neuen Titel Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen veröffentlicht. Das Schmerzmanagement bei chronischem Schmerz erhielt einen eigenen Standard.

Expertenstandard[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Standardaussage
Jeder Klient mit akuten oder tumorbedingten chronischen Schmerzen sowie zu erwartenden Schmerzen erhält ein angemessenes Schmerzmanagement, das dem Entstehen von Schmerzen vorbeugt, sie auf ein erträgliches Maß reduziert oder beseitigt.
Begründung
Eine unzureichende Schmerzbehandlung kann für Klienten gravierende Folgen haben, z. B. physische und psychische Beeinträchtigungen, Verzögerungen des Genesungsverlaufs oder Chronifizierung der Schmerzen. Durch eine rechtzeitig eingeleitete, systematische Schmerzeinschätzung, Schmerzbehandlung sowie Beratung von Klienten und ihren Angehörigen tragen Pflegefachkräfte und Pflegehelfer maßgeblich dazu bei, Schmerzen und deren Auswirkungen zu kontrollieren bzw. zu verhindern.
Struktur Prozess Ergebnis
Die Pflegefachkraft und der Pflegehelfer Die Pflegefachkraft und der Pflegehelfer
1 S1a - verfügt über das notwendige Wissen zur systematischen Schmerzeinschätzung.

S1b - Der Pflegedienst stellt zielgruppenspezifische Einschätzungs- und Dokumentationsinstrumente zur Verfügung.

P1
- erhebt zu Beginn des pflegerischen Auftrags, ob der Klient Schmerzen oder schmerzbedingte Probleme hat. Ist dies nicht der Fall, wird die Einschätzung in individuell festzulegenden Zeitabständen wiederholt.

- führt bei festgestellten Schmerzen oder schmerzbedingten Problemen eine systematische Schmerz-Ersteinschätzung mittels geeigneter Instrumente durch.
- wiederholt die Einschätzung der Schmerzintensität sowie der schmerzbedingten Probleme in Ruhe und bei Belastung/Bewegung in individuell festzulegenden Zeitabständen.

E1 Eine aktuelle, systematische Schmerzeinschätzung und Verlaufskontrolle liegen vor.
2 S2a - verfügt über das erforderliche Wissen zur medikamentösen Schmerzbehandlung.
- überprüft bei Neueinstellung bzw. Anpassung der Medikation den Behandlungserfolg in den Zeitabständen, die dem eingesetzten Analgesieverfahren entsprechen.

2b Der Pflegedienst verfügt über eine interprofessionell geltende Verfahrensregelung zur medikamentösen Schmerzbehandlung.

P2 - setzt spätestens bei einer Schmerzintensität von mehr als 3/10 analog der Numerischen Rangskala (NRS) die geltende Verfahrensregelung um oder holt eine ärztliche Anordnung zur Einleitung oder Anpassung der Schmerzbehandlung ein und setzt diese nach Plan um.

- - sorgt dafür, dass bei zu erwartenden Schmerzen präventiv ein adäquates Analgesieverfahren erfolgt.

E2 Der Klient ist schmerzfrei bzw. hat Schmerzen von nicht mehr als 3/10 analog der Numerischen Rangskala (NRS).
3 S3 - kennt schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen, deren Prophylaxe und Behandlungsmöglichkeiten. P3 - führt in Absprache mit dem zuständigen Arzt Maßnahmen zur Prophylaxe und Behandlung von schmerzmittelbedingten

Nebenwirkungen durch.

E3 Schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen wurden verhindert bzw. erfolgreich behandelt.
4 S4 - kennt nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Schmerzlinderung sowie deren mögliche Kontraindikationen. P4 - bietet in Absprache mit den beteiligten Berufsgruppen dem Klienten und seinen Angehörigen als Ergänzung zur medikamentösen Schmerztherapie nichtmedikamentöse Maßnahmen an und überprüft ihre Wirkung. E4 Die angewandten Maßnahmen haben sich positiv auf die Schmerzsituation und/oder die Eigenaktivität des Klienten ausgewirkt.
5 S5a - verfügt über die notwendigen Beratungskompetenzen in Bezug auf Schmerz und schmerzbedingte Probleme.

S5b Der Pflegedienst stellt die erforderlichen Beratungsunterlagen zur Verfügung.

P5 - gewährleistet eine gezielte Beratung für den Klienten und seinen Angehörigen E5 Dem Klienten ist eine Beratung angeboten worden, um ihn zu befähigen, Schmerzen einzuschätzen, mitzuteilen und zu beeinflussen.

Kurzinformation:

Aus der Präambel: "Schmerzen beeinflussen das physische, psychische und soziale Befinden und somit die Lebensqualität der Klienten und ihrer Angehörigen. Darüber hinaus entstehen dem Gesundheitswesen durch schmerzbedingte Komplikationen und einer daraus oft erforderlichen Verweildauerverlängerung im Krankenhaus sowie durch die Chronifizierung von Schmerzen beträchtliche Kosten, die durch ein frühzeitiges Schmerzmanagement in den meisten Fällen erheblich verringert werden könnten. Der vorliegende Expertenstandard beschreibt den pflegerischen Beitrag zum Schmerzmanagement und hat zum Ziel, die Schmerzwahrnehmung der Pflegefackkräfte zu verbessern und so die Zeit zwischen dem Auftreten von Schmerzen und deren Linderung deutlich zu verkürzen. Er berücksichtigt alle Patienten mit akuten oder chronisch-tumorbedingten Schmerzen, schmerzbedingten Problemen oder zu erwartenden Schmerzen in allen Bereichen der pflegerischen Versorgung. Patienten/Betroffene mit chronisch nicht-tumorbedingtem Schmerz werden in diesem Standard explizit nicht als Zielgruppe angesprochen, da aufgrund der Unterschiede im Schmerzmanagement die Standardaussagen zu allgemein würden und keine konkrete Orientierung für die pflegerische Praxis bieten könnten [...]"


Im vorliegenden Dokument kann nur eine Kurzfassung mit der Präambel der Buchfassung und dem "puren" Expertenstandard sowie die Anhänge mit einem "Algorithmus pflegerisches Schmerzmanagement" und verschiedenen Instrumenten zur Erfassung und Dokumentation zur Verfügung gestellt werden. Auf die vollständige gedruckte Fassung wird verwiesen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP, Hrsg.): Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege, Entwicklung - Konsentierung - Implementierung. Verlag Fachhochschule Osnabrück 2005 ISBN 3-00-012743-7
  • Barbara Messer: Die Expertenstandards im Pflegealltag. Wie sich die Empfehlungen in der Altenpflege praktisch nutzen lassen. Schlütersche, 2007 ISBN 3-89993-184-X
  • Joachim Berga: Expertenstandard Schmerzmanagment in der Pflege bei akuten Schmerzen. In: Geprüfte Schulungsmaterialien für die Pflege. Raabe, Berlin 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Quelle als PDF-Datei bei www.dnqp.de
  • Unter Pflegemanagement-konkret.de finden Führungskräfte in der Pflege sowie Qualitätsbeauftragte viele Informationen rund um das Pflegemanagement. Es gibt eine Reihe von kostenlosen Downloads (z. B. Checklisten zur Umsetzung der Expertenstandards, Dokumentationsformulare, etc.) und viele praktische und aktuelle Tipps für die Arbeit.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Expertenstandard Schmerzmanagement, 2005, siehe Lit. Bezugsadresse: DNQP Fachhochschule Osnabrück, Postfach 19 40, 49009 Osnabrück, Fax (0541) 9 69 - 29 71, e-mail dnqp(at)fh-osnabrueck.de. Preis: 19,- € (inkl. MwSt. und Versand);
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