Inkontinenzhilfsmittel (saugend)

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Zur Versorgung von Menschen mit Inkontinenz gibt es unterschiedliche Hilfsmittel. Die am häufigsten eingesetzten Hilfsmittel sind dabei flüssigkeitsaufnehmende Einweg-Produkte wie Vorlagen, Schutzhosen und Windeln, die innen aus einem Vlies mit darunterliegendem Saugmaterial bestehen, und von einer Folie umhüllt sind, die das Heraustreten von Flüssigkeit verhindert.

Aufsaugende Inkontinenzschutzhosen für Erwachsene werden nicht als Höschenwindeln, Windelhosen, Windeln oder Pampers bezeichnet. Um inkontinente Menschen nicht Kleinkindern gleichzusetzen, sollten diese Begriffe nicht mehr verwendet werden.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Windeln dürften wohl die Stoffwindeln sein, die in früheren Zeiten bei der ärmeren Bevölkerung eher aus alten Lumpen denn aus gewebten Stoffen bestanden.
Stoffwindeln, die es auch heute immer noch gibt, werden in der Regel durch Auskochen zur Wiederverwendung aufbereitet und mit Woll- oder Gummihosen kombiniert. Eine Wollhose über der Stoffwindellage ließ zumindest einen geringen Teil der Flüssigkeit verdunsten, während bei der Gummihose die Haut bis zum nächsten Windelwechsel ganz nass blieb.

Die Einweg-Höschenwindeln für Babys und Erwachsene gibt es noch nicht allzulange. Erfunden wurden die Höschenwindeln Anfang der 1950er Jahre von der US-Amerikanerin Marion Donovan. Nachdem Donovan ihre Erfindung mehreren Papierfabriken erfolglos angeboten hatte, erkannte 1956 der US-Amerikaner Victor Mills die Bedeutung dieser Erfindung, da er zu dieser Zeit gerade Großvater wurde und keine Lust mehr hatte, seinen Enkel umständlich zu wickeln. 1957 kaufte die Firma Procter & Gamble die Chamin Paper Company in Green Bay (Wisconsin), und Mills erhielt den Auftrag, sich für die Papiersparte neue Produkte auszudenken. So beauftragte er seine Mitarbeiter, eine Wegwerfwindel zu entwickeln. Nach ersten Produktions- und Anlaufschwierigkeiten kam die "Pampers" 1961 auf den amerikanischen Markt, sorgte in Deutschland aber erst ab 1973 für großes Aufsehen. Das Wort "Pampers" kommt aus dem englischen "to pamper" und bedeutet soviel wie "verwöhnen" oder "verhätscheln".

Victor Mills erfand die nur aus Papier bestehende "Hose", Carlyle Harmon und Billy Gene Harper entwickelten 1966 die durch Chemikalien saugfähiger gemachten Papierlagen. Die erste Höschenwindel hatte eine schlichte rechteckige Form und ihr Futter, das direkt auf der Babyhaut lag, bestand aus Kunstseide, der Wäscheschutz war aus einfacher Kunststofffolie. Dazwischen lagen zahlreiche Schichten Krepppapier. Befestigt wurde die Windel noch mit Sicherheitsnadeln, die Klebetapes kamen erst viel später dazu. Das Innenfutter war teilweise vorgefaltet, damit sich die Windel besser an die Beine des Babys anschmiegte.

In Jahre 1968 brachte die Firma Kimberly-Clark eine neue Windel mit der Bezeichnung "Kimbies®" heraus, die statt der rechteckigen Form eine besser auf den Körper zugeschnittene Passform hatte. 1976 kam von Procter & Gamble die Höschenwindel Luvs® auf den Markt, die als erste Windel elastische Beinbündchen hatte, welche ein Herauslaufen des Urins verhindern sollten. Was jedoch das Innenleben der Windeln betraf, so entsprach sie immer noch der Grundidee von Mills. Eine aus Papier bestehende Füllung nimmt die Flüssigkeit auf; wenn aber Papier nass wird, verteilt sich die Flüssigkeit schnell gleichmäßig durch die gesamte Papiermasse, wodurch sich die Gefahr des Wundreibens erhöht. Zusätzlicher Druck auf das vollgesogene Papier (sei es durch Drücken oder darauf Sitzen) führt dazu, dass es einen Teil der absorbierten Flüssigkeit wieder freigibt, was zu weiteren Schwierigkeiten führt.

Die Entwickler versuchten lange, diesen unerwünschten Effekt zu vermeiden, indem sie statt Krepppapier verschiedene andere Papiere verwendeten. Erst als Carlyle Harmon und Billy Gene Harper auf die Idee kamen, das Papier so fein zu zerrupfen, dass nur noch Zellulosefasern übrig blieben, konnten sie eine deutliche Verbesserung der Saugeigenschaften feststellen. Sie nannten den Füllstoff, den sie verwendeten, "Fluff". Die dennoch nicht überwundenen Schwächen dieses Füllmaterials versuchten sie damit zu kompensieren, dass sie immer mehr davon in die Höschenwindeln packten. Durch die permanente Erhöhung der Saugfähigkeit wurden aber die Höschenwindeln zunächst auch immer dicker, was den Entwicklern doch Kopfzerbrechen bereitete, da es sich negativ auf den Tragekomfort, den Zellstoffbedarf sowie Packungsgröße und Gewicht der Höschenwindeln auswirkte.

Einführung der Superabsorber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carlyle Harmon war bei Johnson & Johnson beschäftigt und Billy Gene Harper arbeitete für Dow Chemical. Im Jahre 1966 reichten beide fast identische Patente ein, ohne vom anderen zu wissen. Basierend auf der Idee, das Problem durch Verwendung eines besonderen Polymers zu lösen, das zu kleinen Flöckchen geschreddert wurde, wies es die Eigenschaft auf, Wasser bis zur dreihundertfachen Menge seines eigenen Gewichts aufnehmen zu können. Billy Gene Harper und sein Team beschrieben in ihrer Patentanmeldung, wie sie etwa zwei Gramm dieses Polymers zwischen zwei quadratische Tücher aus feinem Nylongewebe verteilten und die Tücher dann miteinander verbunden hatten. Diese "Windel" wurde anschließend an einem rund sechs Monate alten Säugling praktisch erprobt. Etwa vier Stunden nach dem Anlegen wurde die "Windel" wieder abgenommen und gewogen. Sie brachte jetzt gut 120 Gramm auf die Waage, die Flocken hatten etwa das sechzigfache ihres Eigengewichts an Urin aufgenommen. Billy Gene Harper und Carlyle Harmon gelangten beide damit zum Schluss, das Papierproblem lasse sich nicht dadurch lösen, dass man die Höschenwindeln mit immer dickeren Papierfaserwulsten auspolsterte. Eine Hand voll des Polymers würde diese Aufgabe besser erledigen können. Damit war auch bewiesen, dass diese Polymere für Höschenwindeln eine vielversprechende Zukunft hatten.

Diese Patente von Carlyle Harmon und Billy Gene Harper waren die eigentliche Geburtsstunde der modernen Höschenwindeln. Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis diese Patente wirklich in den Höschenwindeln ihren Einsatz fanden. Etwa 1987 wurde der Superabsorber bei den Höschenwindeln für Babys eingeführt und einige Jahre später dann auch in den Höschenwindeln für Erwachsene. Das Verblüffende ist, dass trotz der Gewichtsreduktion und der damit verbundenen Verkleinerung der Dicke des Saugmaterials die Höschenwindeln immer saugfähiger wurden. Den Forschern gelang dieser Coup, indem sie neben der Saugfähigkeit des Granulats auch dessen Verteilungseigenschaft für die Flüssigkeit optimierten. Etwa ein Teelöffel voll Superabsorber reichen pro Windel aus, um die schwere "Last" zu halten und selbst unter Druck fast nicht mehr abzugeben.

Die Babyhöschenwindeln wurden für Erwachsene weiterentwickelt, kamen in Deutschland aber erst etwa 1978 auf den Markt (unter dem Namen "Moltexal Großanwindel"). Es war im Prinzip eine Betteinlage mit mehreren Vlieslagen und einer grauen Folie. Sie war so ähnlich gefaltet wie die erste "Pampers". Verschlossen wurde sie mit jeweils einem breiten Klebestreifen an jeder Seite. Den Komfort von elastischen Beinabschlüssen gab es damals noch nicht, die Windel war sehr dünn, die Saugkapazität war im Vergleich zu den heutigen Windeln sehr schlecht, auch von Auslaufsicherheit konnte damals noch keine Rede sein.

Die ersten Inkontinenzschutzhosen für Erwachsene, die einen für damalige Verhältnisse brauchbaren Rücknässeschutz anboten, wurden von der Firma Procter & Gamble unter dem Namen "Attends" entwickelt. Die "Attends" hatten innen eine Plastikfolie mit trichterförmigen Löchern, die sich als Rücknässeschutz bei Belastung schlossen. Mit der Weiterentwicklung der Höschenwindeln für Babys wurde auch die Qualität der Produkte für Erwachsene immer besser. So werden heute eine Vielzahl von unterschiedlichen Inkontinenzprodukten angeboten, passend zur jeweiligen Inkontinenzform und den persönlichen Anforderungen seiner Träger: Neben den herkömmlichen "Wegwerfwindeln" mit Klebe- oder Klettverschluss gibt es sogenannte Kontinenztraining-Schutzhosen (auch "Pants" oder "Pull on's" genannt) und Produkte mit textilähnlicher Außenfolie, in verschiedenen Größen und Saugstärken.

Die Anforderungen an gute Produkte steigen immer weiter, so dass sich sogar schon Mathematiker damit beschäftigen und versuchen, die perfekte Windel konstruieren. Windeln enthalten Superabsorber und Zellulose, die so verteilt sein müssen, dass sie die Feuchtigkeit optimal aufsaugen. Wie aber müssen die Absorber verteilt werden, damit die Haut möglichst trocken bleibt? Die Mathematiker verwandelen die Strömungs- und Absorptionsprozesse in mathematische Gleichungen. Im Rechner veränderen sie dann die Verteilung des Granulats so lange, bis sie die optimale Lösung gefunden haben. Mit solchen Fragen beschäftigen sich heute auch Wirtschafts- beziehungsweise Technomathematiker. Auch die Chemiker sind nicht untätig, sie entwickeln immer bessere und noch saugfähigere Superabsorber, damit die Produkte noch mehr an Tragekomfort und Sicherheit bieten. Fast wie in der Automobilindustrie werden die Neuentwicklungen schon am Computer entworfen, Anwendungsverhalten und Trageeigenschaften simuliert, ehe ein Prototyp hergestellt wird.

Mit der Einführung der Höschenwindeln, die immer stärker den Markt bei der Baby- und Inkontinenzversorgung beherschten, ging die Entwicklung der Mehrwegprodukte stetig bergab. Zwar sind die heutigen Mehrwegwindeln vom Schnitt her gesehen mit den modernen Höschenwindeln vergleichbar, aber in punkto Saugfähigkeit und Rücknässung können sie nicht mithalten. Das große Manko der Mehrwegprodukte ist das Fehlen des Superabsorbers, der aus den Höschenwindeln nicht mehr wegzudenken ist. Erst in den letzten Jahren, angespornt durch das umweltfreundliche Denken einiger Eltern und Anwender der Inkontinenzprodukte, wird von den Herstellern zunehmend wieder mehr Energie in die Entwicklung der Mehrwegprodukte gesteckt. So wurde von einem großen Chemieunternehmen eine Kunstfaser im Prototyp entwickelt, welche die Eigenschaften von Polymeren haben und die aufgenommene Flüssigkeit auch sicher speichern können. Die Entwicklung dieser Kunstfasern geht aber eher schleppend vorran, da die Nachfrage an solchen Fasern zur Zeit noch sehr gering ist.

Grundlegendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Inkontinenz-Einlage

Saugende Produkte sind wohl die bekanntesten Hilfsmittel bei Inkontinenz. Bereits im Babyalter machen wir unsere erste Bekanntschaft mit dieser Produktfamilie. Später bedienen sich Frauen, während der Menstruation, saugender Binden. Im Alter werden dann Inkontinenz-Einlagen verwendet. Um ältere Menschen nicht mit Kleinkindern gleichzusetzen, wird der Begriff 'Windel' in diesem Zusammenhang mittlerweile nicht mehr verwendet.

Das Angebot an saugenden Produkten ist riesig. Ihre Funktion ist einfach, aber effektiv. Saugende Produkte fangen die Flüssigkeit auf und speichern sie im Inneren. Durch sogenannte Superabsorber wird die Flüssigkeit in Gel verwandelt, das ein Auslaufen des Produkts verhindert. Zusätzlich zum Superabsorber kommen heute in guten Inkontinenzprodukten Auslaufsperren zum Einsatz. Diese Barrieren, die auf der Oberseite des Produkts liegen, korrigieren den Abstand zwischen dem Körper und dem Produkt. Saugende Inkontinenzhilfen sind, anders als Damenbinden, speziell auf Urin abgestimmt, damit eine sichere und schnelle Aufnahme sichergestellt ist. Man unterteilt diese Produkte außerdem in einteilige Systeme, also Inkontinenzschutzhosen oder -slips, und zweiteilige Systeme, bestehend aus Vorlage und Netzhose.

Es gibt sowohl mobile Patienten, die aktiv am Leben teilhaben, als auch teilmobile oder auch bettlägerige Patienten. Da sich die Haut älterer Menschen nicht mehr so schnell regeneriert, muss die Vorlage möglichst luftdurchlässig sein und Nässe direkt in tiefere Schichten ableiten. Außerdem spielt die Schwere der Inkontinenz eine große Rolle, da die Saugkapazitäten der Produkte begrenzt sind. Aus diesem Grund hatte man für aktive, mobile Menschen ein zweiteiliges System geschaffen, bei dem weniger Haut abgedeckt wird, allerdings mit etwas geringerer Saugkapazität. Für überwiegend liegende Patienten haben sich einteilige Systeme bewährt, um gleichzeitig einen weitgehenden Schutz der Bettwäsche zu erreichen. Darüber hinaus sind sogenannte "Trainers" für Erwachsene auf dem Markt, die ähnlich wie die "Trainers" bei Kleinkindern aufgebaut sind. Ihr Einsatzgebiet beschränkt sich, bedingt durch die begrenzte Aufnahmekapazität, auf die Versorgung von leichter bis mittlerer Inkontinenz und bei Stuhlinkontinenz.

Aufbau der Hilfsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aufbau dieser Produkte ist im wesentlichen gleich. Um die Wäsche vor Verunreinigungen und Nässe zu schützen, besitzen alle Produkte eine flüssigkeitsundurchlässige Außenschicht. Sie besteht aus einer dünnen PP/PE-Folie. Neuere Produkte haben eine atmungsaktive stoffähnliche Außenfolie. Zur Fixierung der Höschenwindel am Körper sind an den Seitenteilen Klebe- oder Klettverschlüsse angebracht, die mehrfach wiederverschlossen werden können. Im Inneren der Produkte befindet sich der Saugkern, ein Gemisch aus Zellstoff und Superabsorber. Moderne Produkte besitzen heute eine exzellente Flüssigkeitsverteilung und somit auch ein sehr hohe Auslaufsicherheit. Über dem Zellstoff befindet sich ein spezielles Vlies, das die Flüssigkeit noch besser ins Innere ableitet und verteilt. Seitliche Auslaufbarrieren verringern zusätzlich ein Auslaufen von Urin und Stuhl. Alle Inkontinenzslips sind heute im Gegensatz zu früher anatomisch geformt und haben vielfach zusätzlich am Bauch und Rücken noch elastische Bündchen oder werden mit Hilfe eines gurtähnlichen Haltebandes und Klettverschlüssen am Körper fixiert.

Für die Herstellung der Höschenwindeln werden heute keine PVC-Folien und keine Materialien, die Latex enthalten, mehr verwendet. Moderne Höschenwindeln wiegen im Durchschnitt etwa 50 Gramm (Babywindeln) bzw. 120 Gramm (Erwachsenenwindeln) und bestehen hauptsächlich aus Zellstoff (ca. 60%), Superabsorber (ca. 15%), Polypropylen (ca. 11%), Polyethylen (ca. 7%) und zu 7% aus anderen Stoffe wie etwa Klebstoffe, Klebe- bzw. Klettverschlüsse, Lycrafäden und Nässeindikator.

Der Wäscheschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Außenfolie einer Höschenwindel soll seinen Träger vor nasser Kleidung bzw. einem nassen Bett schützen. Früher wurde eine PVC-Folie als Wäscheschutz verwendet, die aber schon bald durch Polyethylen-Folien ersetzt wurde, da das Polyethylen im Gegensatz zum PVC (Polyvinylchlorid) keine Weichmacher an seine Umgebung abgibt. Polyethylen-Folien werden in unterschiedlichen Materialstärken eingesetzt, wobei die Folien immer dünner wurden, sich weicher anfühlen und auch weniger Geräusche bei Bewegung (rascheln) abgeben als früher.

Eine Neuerung, die sich schon bald bei fast allen Herstellern durchsetzte, sind die atmungsaktiven Folien mit textilähnlicher Oberfläche. Heute finden sich kaum noch Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder auf dem Markt, die mit einer normalen Polyethylen-Folie versehen ist. Auch immer häufiger werden die atmungsaktiven Folien mit textilähnlicher Oberfläche bei Schutzhosen für Erwachsene eingesetzt. Im Vergleich zu normalen Polyethylen-Folien sind die atmungsaktiven Folien wasserdampf- und luftdurchlässig aber trotzdem wasserdicht. Diese Folien geben etwa 2 bis 4 Prozent der gespeicherten Flüssigkeit in Form von Wasserdampf innerhalb von 24 Stunden an ihre Umgebung ab. Dieser Umstand führt dazu, dass sich die Außenschicht dieser Folien manchmal etwas feucht anfühlt und bei langem Sitzen auf einem Stuhl auch schon einmal feuchte Stellen hinterlassen kann.

Die Bündchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1976 wurden elastische Beinbündchen eingeführt, die sich eng an die Beine anschmiegen. Die Beinbündchen werden durch 2 bis 4 parallel zueinander laufende Lycrafäden gebildet. Die Lycrafäden sind sehr dehnfähig und können um bis zu 400% ihrer ursprünglichen Länge gedehnt werden, ehe sie brechen. Danach wurden elastische Innenbündchen eingeführt, die einen zusätzlichen Auslaufschutz an den Beinabschlüssen gewährleisten. Für die Innenbündchen werden ebenfalls Lycrafäden verwendet. Dazu kamen zusätzliche elastische Bündchen am Bund und der Rückenpartie, die eine zusätzliche Sicherheit gegen Auslaufen der Höschenwindel bieten.

Der Verschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verschluss der Höschenwindel erfolgt auf zweierlei Arten, durch seitliche Verschlüsse, wie sie häufig bei Höschenwindeln für Erwachsene verwendet werden, oder durch ein Fronttape, das fast ausschließlich bei Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder eingesetzt wird. Durch die Einführung von wiederverschließbaren Klebe- oder Klettverschlüssen wurde dem Anwender die Möglichkeit gegeben, die Höschenwindel mehrfach zu öffnen und wieder zu verschließen.

Der Nässeindikator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nässeindikator wird überwiegend bei Höschenwindeln für Erwachsene verwendet, aber auch einige Höschenwindeln für Säuglinge und Kleinkinder besitzen einen. Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Einnässen der Höschenwindel anzuzeigen. Zum einen können Farbstreifen verwendet werden, die bei Kontakt mit Urin ihre Farbe, zumeist in Blau, ändern oder sich aber auflösen. Neuere Nässeindikatoren bestehen zumeist aus einem Aufdruck, wie er von Tintenstrahldruckern her bekannt ist. Das hat zudem den Vorteil, dass Herstellerinformationen wie etwa die Saugstärke oder das Herstellungsdatum des Produktes mit aufgedruckt werden. Beim Einnässen der Höschenwindel verschwimmt die Beschriftung und zeigt einen notwendigen Wechsel an.

Das Innenvlies[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Trockenvlies der Einwegwindel basiert auf einer Kunstfaser aus Polyester, die so konzipiert ist, dass sie selbst keine oder kaum Flüssigkeit aufnimmt, aber die Flüssigkeit ohne Probleme in den Saugkern hindurchlässt. Da das Trockenvlies selbst nicht saugfähig ist, bleibt die Flüssigkeit im Saugkern gebunden und die Haut des Babys relativ trocken.

Der Saugkern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Saugkern bildet das zentrale Element der Einwegwindel und wiegt bei der Pampers® je nach Höschengröße zwischen 30 und 60 Gramm. Damit macht er etwa 70 Prozent des Gewichts der ganzen Windel aus. Er besteht im Wesentlichen aus verschiedenen Zellstofflagen unterschiedlicher Faserqualitäten sowie dem dort eingelagerten Superabsorber. Letzterer besteht aus kleinen hygroskopischen Kunststoffkügelchen aus Polyacrylaten, die sich bei Aufnahme von Flüssigkeit in ein Gel verwandeln, in dem die Flüssigkeit fest gebunden ist. Erst mit der Erfindung des Superabsorbers konnten die Höschenwindeln immer größere Mengen an Flüssigkeit speichern, ohne sie unter Belastung wieder an die Haut des Babys abzugeben. Moderne Superabsorber können bis zum 500-fachen (demineralisiertes Wasser) des eigenen Gewichtes unter Druck speichern; bei Urin liegt der Wert nur bei etwa dem 50-fachen.

Der Saugkern der Höschenwindeln verschiedener Hersteller unterscheidet sich v.a. in der Menge und Verteilung des Superabsorbers im Saugkörper und dem Aufbau und der Dicke der einzelnen Zellstofflagen und deren Schichtung sowie in seiner äußeren Form. Der genaue Aufbau des Saugkörpers stellt damit den entscheidenden Teil der herstellerspezifischen Rezeptur der Windel dar, der als Firmengeheimnis streng gehütet wird. Neben dem Tragekomfort und Sitz hängt davon v. a. ab, welche Menge an Flüssigkeit und wie schnell sie von der jeweilige Windelmarke aufgenommen und sicher gespeichert werden kann.

Funktionsweise des Superabsorbers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chemisch sind Superabsorber vernetzte Polymere aus Acrylsäure. Die nur 0,1 bis 0,8 Millimeter großen Körnchen sind kaum von Kochsalz zu unterscheiden. Doch während sich das Salz unter Wasserzugabe auflöst, nimmt das Polymer-Granulat die Flüssigkeit auf und quillt. Bezogen auf das Eigengewicht sind dies das 1000fache an destilliertem Wasser, das 300fache an Leitungswasser oder das 50fache an Körperflüssigkeiten wie etwa Urin.

Bis heute ist noch immer nicht bis ins Letzte geklärt, wie diese Polymere genau funktionieren. Man weiß aber, dass diese Polymere unter dem Mikroskop wie ein dicht zusammengelegtes Fischernetz aussehen. Einer Wassermenge ausgesetzt, entfaltet sich das Polymer ähnlich wie ein ins Meer geworfenes Fischernetz, wobei sich das Wasser in den Maschen festsetzt. Eines der Hauptprobleme, mit denen sich die Entwickler der Höschenwindeln auseinandersetzen müssen, ist der Salzgehalt des Urins. Da die Salze die Entfaltung des Netzes hemmen, können diese Polymere bei Urin nur ein Zehntel der Menge an Flüssigkeit aufnehmen, die sie bei Trinkwasser schaffen würden. Ziel der Entwickler ist es, das Salz aus dem Urin zu entfernen und somit die Speichereigenschaften der Polymere zu erhöhen. Durch Polymerisation werden die einzelnen Acrylsäure-Moleküle (Monomere) zu einer möglichst langen Kette verknüpft; wie ein Wollknäuel, nur, dass der verschlungene Polymerfaden an vielen Stellen mit sich selbst vernetzt wird.

Als nächste Reaktion bilden sich an den Ketten negative Ladungen aus, die durch die positiv geladenen Natrium-Ionen kompensiert werden. Kommt Wasser mit ins Spiel, so lösen sich die Natrium-Ionen darin, und die negativ geladenen Stränge der Polymerkette stoßen sich gegenseitig elektrostatisch ab. Das Polymernetz quillt auf, Kapillarkräfte ziehen das Wasser in die entstehenden zwischenmolekularen Hohlräume. Zusätzlich entsteht ein osmotischer Druck, der Wasser in den Superabsorber hinein saugt. Die Absorptionskräfte sind dabei so hoch, dass auch dann keine Flüssigkeit abgegeben wird.

Dass Windeln um mehr als die Hälfte dünner und leichter wurden, von über 220 Gramm Anfang der 80er Jahre auf heute nur noch etwa 100 Gramm, ist ein Verdienst der Superabsorber. Das Verblüffende ist, dass trotz der Gewichtsreduktion die Windel immer saugfähiger wurde. Den Forschern gelang dieser Coup, indem sie neben der Saugfähigkeit des Granulats auch dessen Verteilungseigenschaft für die Flüssigkeit optimierten. Ganze 25 Gramm an Superabsorber reichen pro Windel aus, um die schwere "Last" zu halten und selbst unter Druck fast nicht mehr abzugeben.

Mehrwegsysteme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Aufkommen der Einwegprodukte wurden die Mehrwegsysteme fast ganz verdrängt, kommen aber mittlerweile wieder verstärkt auf den Markt. Durch neue Techniken und Werkstoffe sind Mehrwegprodukte in punkto Saugleistung schon nahe an Einwegprodukte heran gekommen.

Der Aufbau der Mehrwegprodukte ist im wesentlichen gleich wie bei den Einwegprodukten, nur dass der Superabsorber fehlt. Das Innenvlies leitet auch sehr schnell die Nässe nach innen in den Saugkern, der aus speziellen hydrophilem Material besteht und große Mengen an Flüssigkeit speichern kann. Die anatomische Passform sowie die Innenbündchen ist wie bei den Einmalprodukten vorhanden. Zum Schutz der Wäsche verfügen diese Produkte außen über ein PU-beschichtetes Material, das flüssigkeitsundurchlässig, aber atmungsaktiv ist. Dadurch stehen diese Produkte in punkto Sicherheit nichts den Einwegprodukten nach. Der einzige Nachteil ist, dass sie konstruktionsbedingt dicker sind und somit weniger im Alltagsleben geeignet sind. Daher werden die Mehrwegsysteme gerne zur Nachtversorgung verwendet.

Arten der Hilfsmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorlagen / Einlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für leichte bis mittlere und sogar beschränkt bis schwere Inkontinenz gibt es Vorlagen, Einlagen und Tropfenfänger in verschiedenen Saugstärken und Größen. All diese Produkte haben den Nachteil, dass ein zusätzliches Hilfsmittel zur Fixierung verwendet werden muss. Da die Produkte überwiegend von Frauen mit Belastungsinkontinenz verwendet werden, setzt auch die Werbung auf diese Personengruppe.

Die Einlage saugt bei Frauen mit leichter Inkontinenz den Urin zuverlässig auf und schließt ihn ein. Sie ist unauffällig und wird einfach wie eine Damenbinde in den Slip geklebt. Dabei ist sie wesentlich zuverlässiger als eine Damenbinde, da sie extra für Inkontinenz konzipiert wurde. Es gibt diese Einlagen in verschiedenen Saugstärken.

Einlagen für Männer (Tropfenfänger) sind spezielle Produkte, die wie kleine Taschen geformt sind. Sie werden bei leichter Blasenschwäche, wie sie oft nach Prostataoperationen auftritt, verwendet. Da die Saugkraft nur sehr gering ist, bieten sie, über einen längeren Zeitraum gesehen, keinen ausreichenden Schutz. Diese Produkte werden mit Hilfe der Klebefläche in der Unterwäsche fixiert, es sollte aber trotzdem eine spezielle enganliegende Fixierhose verwendet werden.

Die klassischen offenen Vorlagen sind ähnlich aufgebaut wie die Schutzhosen, jedoch fehlt die Fixierung am Körper. Hierzu werden meist Netzhosen, Fixierhosen oder Gummihosen verwendet. Bei diesem Produkt ist das richtige Anlegen besonders wichtig, um ein Auslaufen zu verhindern. Die Vorlagen werden überwiegend bei mittlerer bis schwerer Blasenschwäche verwendet und unterscheiden sich nur in der Größe und der Saugkraft von den Einlagen. Vor allem Alten- und Pflegeheime verwenden dieses kostengünstige System anstelle von Inkontinenzslips, wenn Bewohner an mittlerer bis schwerer Blasenschwäche oder Stulinkontinenz leiden.

Einteilige Vorlagen, welche mit Hilfe von Hüftgurten fixiert werden, machen Netz-, Fixier- und Gummihosen überflüssig. Der Einweggürtel ist mit dem Produkt fest verbunden und wird mit dem gebrauchten Produkt weggeworfen (z.B. Tena Flex™), beim Mehrweggürtel liegen jeder Packung 2 Gurte bei, die aus einem Gummiband bestehen und für mindestens eine Packung verwendet werden können (z.B. Depends ®).

Kontinenztraining-Schutzhosen (Schlupfform)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die neueste Generation von saugenden Inkontinenzprodukten sind die Kontinenztraining-Schutzhosen in Schlupfform. Sie sind genauso aufgebaut wie die Trainingwindeln für Kleinkinder. Die verwendeten Bezeichnungen sind "Mobi", "Pull on's" und "Pants". Diese Produkte werden in unterschiedlichen Saugstärken und Größen angeboten.

Anders als die klassischen Inkontinenzslips, die mit 4 bis 6 Klebestreifen individuell am Körper fixiert werden, können die Schlupfform-Schutzhosen wie normale Unterwäsche an- und ausgezogen werden und so einen Toilettengang erleichtern. Da sie auch optisch normaler Unterwäsche gleichen, wird diese Art von Hilfsmittel vom Patienten meistens eher angenommen. Zum Wechseln des Produktes können die Seitennähte aufgerissen werden (z.B.: Euron Mobi, Kolibri® Comtrain, Tena Pants). Anschießend kann das Produkt wie ein normaler Windelslip entsorgt werden. Das Anziehen einer neuen Schutzhose erfordert aber, dass andere Bekleidungsstücke (Hosen wie Jogging- oder Strumpfhosen) vorher ausgezogen werden müssen. Da die Saugleistung nicht so hoch wie bei Inkontinenzslips mit Klebe- oder Klettverschluss ist, eignen sie sich nur für Patienten mit leichter bis mittlerer Inkontinenz. Patienten mit schwererer Inkontinenz neigen dazu, sich solch eine Schutzhose mit zusätzlichen Einlagen zu verstärken. Im häuslichen Bereich lässt Mancher die Schutzhosen nach Einnässen aus Sparsamkeitsgründen zur Wiederverwendung trocknen, obwohl sie als Einwegprodukt ihre Funktion schon längst eingebüßt haben und diese sich durch Trocknen nicht wiederherstellen lässt.

Ein weiteres Einsatzgebiet dieses Hilfsmittel ist die Unterstützung bei Toilettentraining und der Schutz vor "Unfällen" bei intermittierenden Selbstkatheterismus. Im Regelfall liegt daher der Bedarf nicht wesentlich höher als 2 Stück pro Tag. Aber auch bei Kindern, die Bettnässer sind, kommen die Trainers zum Einsatz. Sie werden von den Kindern eher angenommen, weil sie nicht wie Windeln aussehen. Das erleichtert auch die Behandlung des Bettnässens.

Inkontinenzschutzhosen oder -slips[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inkontinenzschutzhosen sind im Prinzip genauso aufgebaut wie die Babywindeln. Sie sind heutzutage Hightechprodukte, die aber in erster Linie dem Wäscheschutz bei Urin-Inkontinenz dienen. Der Superabsorber im Inneren der Schutzhose saugt Urin gut auf, aber bei festerem Stuhl hat er kaum eine Wirkung. Lediglich sehr dünnflüssigen Stuhl saugt er teilweise auf. Das Barrierensystem im Inkontinenzslip sorgt dafür, dass das Auslaufen von Urin und Stuhl recht gut verhindert wird, aber ganz kann es nicht ausgeschlossen werden. Durch die PE/PP-Außenfolie und den Klebestreifen wird der Inkontinenzslip am Körper ohne zusätzliche Hilfsmittel fixiert. Die Klebestreifen sind wiederverschließbar und somit ist auch ein Toilettentraining möglich, ohne den Slip nach dem Öffnen entsorgen zu müssen, wenn er noch nicht beschmutzt wurde. Die Industrie geht teilweise dazu über, anstatt der PE/PP-Außenfolie eine Art textiler Außenhaut mit Klettverschlüssen zu entwerfen. Diese neue "Folie" ist atmungsaktiv und somit besser für die Haut.
Sie besitzen teilweise eine Innenbeschichtung mit Panthenol, um Hautirritationenen wie einer Dermatitis vorzubeugen bzw. um diese schneller abklingen zu lassen.

Wegen ihrer hohen Saugkraft werden sie bei schwerer und schwerster Urin-Inkontinenz verwendet. Auch zur Nachtversorgung bei mittlerer Inkontinenz kommen diese Slips zum Einsatz.

Anwendungshinweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hat der Patient "sein" Inkontinezhilfsmittel gefunden, so sind bei der Anwendung einige Grundregeln zu beachten. Diese Regeln beziehen sich sowohl auf das Anlegen und Ablegen des Inkontinenzhilfsmittels als auch auf die Hautpflege des Betroffenen. Nach Möglichkeit sollte der Patient sich weitgehend selbst versorgen können, um eine gewisse Unabhängigkeit zu schaffen und sein Selbstvertrauen zu steigern. Der Patient sollte dabei in der richtigen Handhabung des Hilfsmittels unterwiesen werden, auch in Bezug auf seine Hautpflege.

Anlegetechniken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Techniken, um einen Inkontinenzslip gut sitzend anzulegen, dabei unterscheiden sich die Anlegetechniken in drei unterschiedlichen Körperhaltungen. Der Inkontinenzslip wird entweder im Stehen, im Sitzen oder im Liegen angelegt, wobei die Variante "im Liegen" fast ausschließlich bei Säuglingen und Kleinkindern oder bei schwer pflegebedürftigen Patienten verwendet wird. Nachdem alle benötigten Utensilien bereit gelegt wurden und nach erfolgter Intimpflege kann der Inkontinenzslip angelegt werden:

Im Liegen bei Säuglingen und Kleinkindern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zunächst wird die Höschenwindel auseinander gefaltet, mit der Hand am oberen und unteren Ende festgehalten und etwas auseinandergezogen. Dadurch bildet sich eine Art Rinne in Längsrichtung aus, die einen besseren Sitz und eine bessere Verteilung der Flüssigkeit bewirkt. Nun werden die Beine des Säuglings oder des Kleinkindes mit einer Hand nach oben gehalten und mit der anderen Hand die Höschenwindel soweit unter das Gesäß geschoben bis der hintere Rand der Windel auf Höhe der Hüfte liegt, wobei die Klebestreifen nach hinten zeigen. Jetzt werden die Beine wieder gesenkt und das Vorderteil der Höschenwindel zwischen den Beinen hindurch nach vorne gezogen. Nun wird die Windel mit einer Hand sanft in der Beinbeuge hochgezogen und mit der anderen Hand der erste Klebestreifen verschlossen. In gleiche Weise wird mit dem anderen Klebestreifen verfahren so dass die Windel eng am Körper anliegt. Es ist aber dabei darauf zu achten, dass die Beinbündchen nicht zu fest einschnüren, was sonst zu Druckstellen führen würde.

Im Liegen bei Erwachsenen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie auch schon bei der Anlegetechnik für Säuglinge und Kleinkindern beschrieben, wird zunächst der Inkontinenzslip auseinander gefaltet, mit der Hand am oberen und unteren Ende festgehalten und etwas auseinandergezogen. Zuerst dreht sich der Patient mit leicht angewinkelten Beinen auf die Seite. Nun wird der Inkontinenzslip so neben den liegenden Patienten plaziert, dass die hintere obere Folienkante etwa in Höhe der Hüfte anliegt. Jetzt dreht sich der Patient wieder in die Rückenlage, wobei er nun auf dem Slip liegt. Als nächstes wird das Vorderteil des Inkontinenzslips zwischen den Beinen hindurch in einer Zickzack-Bewegung nach oben gezogen, so dass die Beinbündchen sauber in der Leistengegend zum Liegen kommen. Nun wird mit der einen Hand eine Vorderseite des Slips fest in der Leiste gehalten und mit der anderen Hand die Hinterseite mit den Klebestreifen nach vorne gezogen. Jetzt werden zuerst die unteren Klebestreifen leicht schräg nach oben auf der Vorderseite des Inkontinenzslips befestigt. Im Anschluss daran werden die oberen Klebestreifen leicht schräg nach unten auf das Vorderteil des Slips geklebt, wobei auf einen festen, aber nirgends einschnürenden Sitz geachtet wird.

Im Stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Voraussetzung für einen Vorlagen- oder Schutzhosenwechsel im Stehen ist entweder ein stabiles Stehvermögen des Patienten oder Hilfestellung durch eine weitere (Pflege-) Person bzw. evtl. vorhandene Haltegriffe..

Hautpflege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Haut von inkontinenten Personen wird durch den ständigen Kontakt mit Urin und auch Stuhl erheblich belastet. Die Folge davon können Hautreizungen bis hin zu Hauterkrankungen wie Dermatitis sein. In besonderem Maße ist die Haut von älteren Patienten betroffen, da sie sich nicht mehr so schnell regenerieren kann. Daher wird bei der Betreuung von inkontinenten Menschen eine sorgfältige Hautpflege besondere Bedeutung beigemessen. Um Hautreizungen oder gar Hauterkrankungen bei den Betroffenen vorzubeugen, ist neben einem regelmäßigen Wechsel der Inkontinenzhilfsmittel vor allem die sorgfältige Reinigung der Haut entscheidend. Dabei sollten nur Reinigungs- und Pflegeprodukte eingesetzt werden, die pH-neutral sind und daher den Säureschutzmantel der Haut nicht zusätzlich angreifen. Es gibt speziell für die Hautreinigung bei inkontinenten Menschen entwickelte Produkte.

Moderne Produkte sind alkalifreie und hautneutrale Seifen oder Waschlotionen, die rückfettende Substanzen enthalten und so das Austrocknen der Haut verhindern. Bei einer Stuhlinkontinenz hat sich zur Reinigung und zum Ablösen der Stuhlreste ein Reinigungsschaum bewährt. Dieser Schaum ist in der Lage, selbst stark verschmutzte Hautpartien schnell und schonend zu reinigen.
Nachdem die Haut im Genital- und Analbereich gereinigt und gut abgetrocknet wurde, kann sie bei Bedarf mit speziellen Hautschutzprodukten behandelt werden, um sie vor äußeren Einflüssen zu schützen. Bei diesen Produkten handelt es sich um "Barrier"-Cremes oder Schutzfilme zum Auftragen oder -sprühen. Sie sollten sparsam angewendet werden und unbedingt angetrocknet sein, bevor eine neue Vorlage oder Schutzhose angelegt werden, da es sonst miteinander verkleben kann. Nicht geeignet sind Melkfett oder Vaseline.

Nach Möglichkeit sollte nicht sofort ein frisches Inkontinenzhilfsmittel angelegt werden, um etwas Frischluft an die Haut kommen zu lassen. Das fördert die Regeneration der Haut und beugt auch Dermatitis vor. Der Patient kann dabei je nach Inkontinenzart für eine gewisse Zeit auf einer saugfähigen Krankenunterlage sitzen beziehungsweise liegen.

Feuchttücher zur Reinigung sind nur bedingt geeignet, da sie Zusatzstoffe enthalten, die die Haut reizen können. Der Vorteil für mobile Menschen liegt darin, dass sie diese Feuchttücher zusammen mit ihren Inkontinenzhilfsmitteln sehr leicht transportieren können und so auch unterwegs nicht auf eine gute Hautreinigung verzichten müssen. Auch Reinigungsschäume gibt es in kleinen handlichen Spraydosen, die in fast jede Tasche passen.

Nachfrage von Inkontinenzeinlagen für Erwachsene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine stark steigende Nachfrage läßt sich im Bereich für Erwachsene festzustellen, was v. a. auf die zunehmende Alterung der Bevölkerung zurück zuführen ist. Der Bedarf an "Inkontinenzprodukten" (Hilfsmittel bei Harn- bzw. Stuhlinkontinenz) in den Alten- und Pflegeheimen steigt immer weiter an. Das hat einen großen deutschen Hersteller, die Paul Hartmann AG, dazu bewogen, die Produktion von Babywindeln (Fixies) an den französischen Konzern NovaCare zu verkaufen und nur noch Schutzhosen für Erwachsene (Molicare) selbst zu produzieren. Zunehmend werden solche Inkontinenzhilfsmittel bei noch mobilen inkontinenten Menschen verwendet, da sie im Vergleich zu Vorlagen sicherer am Körper fixiert werden können und damit eine größere Sicherheit vor "Unfällen" im Alltag garantieren. Andere, kleine Personengruppen, die – aus anderen Gründen – davon Gebrauch machen, sind Astronauten und Wachsoldaten.

Kostenvergleich von Stoff- und Einwegwindeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hinsichtlich der Kosten sind Mehrwegwindeln über die gesamte Wickelzeit gerechnet die preiswertere Lösung, auch dann wenn man in den Vergleich die Kosten für Wasser, Strom und Waschmittel bei Stoffwindeln einerseits und die höheren Müllgebühren bei Einwegwindeln andererseit mit einrechnet. Abschreckend für viele Eltern sind aber die zunächst hohen einmaligen Anschaffungskosten für Stoffwindeln plus Windelhosen in Form vom Gummihosen, Schafwollhosen o.ä., und insbesondere für integrierte Systeme, die ähnlich wie Höschenwindeln zu handhaben sind. Ein weiterer Grund, der sich immer mehr zu gunsten von Einwegwindeln bemerkbar macht, sind die stetig steigenden Energiekosten im privaten Haushalt, während die Kosten für die Einwegwindeln deutlich geringer anstiegen. Anders sieht es aus, wenn mehrere Wickelkinder im Haushalt leben, dann haben nach wievor die Mehrwegsysteme die Nase vorne.

Die Umweltbilanz von Stoff- und Einwegwindeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes werden Einwegwindeln von vielen Menschen kritisch gesehen. Den Vorteilen in der Handhabung steht das Müllproblem gegenüber. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland besteht der Restmüll in reinen Wohngebieten mittlerweile etwa zur Hälfte aus Einwegwindeln. Diese Windelberge lasten bundesweit alleine die Kapazität von sieben Müllverbrennungsanlagen aus. Bis ein Kind zuverlässig trocken ist, werden durchschnittlich 6000 Einwegwindeln gebraucht. Diese Menge entspricht über 1.000 Kilogramm, also mehr als eine Tonne Restmüll, wovon allerdings korrekter weise das Gewicht des in der Windel enthaltenen Urins und Stuhls abgezogen werden muss, da diese andernfalls, bei Verwendung von waschbaren Mehrwegsystemen, über die Kanalisation entsorgt werden und bei der Abwasserreinigung in Form von Klärschlamm wiederum als Abfall anfallen.

Stoffwindeln plus Gummihose gelten daher gemeinhin als umweltfreundliche Alternative zur Einwegwindel. Allerdings haben die bisherigen Studien bzgl. der Umweltauswirkungen keinen eindeutigen Vorteil für das eine oder das andere System festgestellt. Einwegwindeln bedingen neben der großen, bisher nicht wiederverwertbaren Abfallmenge, auch Rohstoff-, Energieverbrauch und Emissionen für Herstellung und Verteilung. Insbesondere die Produktion des Zellstoffs ist meist mit erheblicher Luft-und Gewässerbelastung und mit Umweltzerstörung durch Holzrodungen verbunden. Dem gegenüber stehen bei Stoffwindeln der erhöhte Energie-, Wasser- und Waschmittelverbrauch für das Waschen, sowie auch die Umweltschäden durch den Baumwollanbau. Dieser erfolgt zumeist mit einem hohen Maß an Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger und erfordert große Mengen an Wasser für die Bewässerung, das in den meisten Anbaugebieten, da in arriden Zonen gelegen, sehr knapp ist. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden jedoch vielfach in Zweifel gezogen, da die Studien von den Herstellern der Einwegwindeln in Auftrag gegeben wurden und die zugrundeliegenden Annahmen z.T. fragwürdig erscheinen. So wird von Kritikern etwa behauptet, dass einerseits der angenommene Bedarf bei Einwegwindeln nur halb so hoch ist wie der tatsächliche Verbrauch, während andererseits bei Stoffwindel eine überhöhte Zahl von Windelwechseln zugrunde gelegt wurde. Auch wurde in den Studien beispielsweise angenommen, dass die Eltern zum Trocknen der Stoffwindeln grundsätzlich einen Wäschetrokner benutzen, was nicht den Tatsachen entspricht, sich in der Bilanz aber mit einen erheblichen zusätzlichen Energieverbrauch niederschlägt.

Einwegwindeln mit ungebleichtem Zellstoff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeit bietet ein Hersteller Höschenwindeln mit dem Namenszusatz Öko an, für die ungebleichter Zellstoff verwendet wird. Die Bleichung von Zellstoff stellt nach wie vor eine Umweltbelastung dar, wenn auch durch den Verzicht auf Elementarchlor, und z.T. auch schon Chlorverbindungen, in deutlich geringerem Maße als früher. Vor allem aber reduziert sich die Zellstoffmenge bei diesem Vorgang um rund 10%. So wird durch den Einsatz von ungebleichtem Zellstoff der Holzbedarf zunächst verringert. Ob der Zellstoffverbrauch für Windeln dadurch aber insgesamt geringer ausfällt, ist fraglich, da ungebleichter Zellstoff wesentlich weniger saugfähig ist als der vom Holzbestandteil Lignin gereinigte Weiße. Möglicherweise wird die Windel deshalb etwas öfter gewechselt, möglicherweise wird deshalb auch ein dickerer Saugkern mit mehr Zellstoff in die Windel eingebaut. Bei der in Rede stehenden Windelmarke wird auf Grund der Problematik mit der Saugfähigkeit daher auch ein größerer Anteil gebleichter Zellstoff beigemischt.

Der Einsatz von Recyclingfasern aus Altpapier ist im Übrigen aus hygienischen Gründen unzulässig, und ist auf Grund der vielen in den unterschiedlichen Papiersorten eingesetzten Zusatzstoffe und einiger Bestandteile der Druckfarben problematisch.

Hinsichtlich der Abfallproblematik und des Wertstoff-Recyclings bietet die Windel mit ungebleichtem Zellstoff keine Vorteile. Auch wenn der Hersteller sich bemüht hat den Kunststoffanteil zu reduzieren, und ein Vlies aus Zellstoff einsetzt, eine Kompostierung der Windel ist nach wie vor ausgeschlossen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]