Medikament

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Datei:Medikamente.JPG
Kapseln und Tabletten

Ein Medikament (lat.: medicamentum = Heilmittel) ist ein Arzneimittel, das in bestimmter Dosierung zur Heilung, Vorbeugung oder Linderung einer Krankheit dient.

Von Medikamenten abzugrenzen ist hingegen der Oberbegriff Arzneimittel. Zu den Arzneimitteln gehören neben den Medikamenten u.a. auch die Diagnostika. Sie alle sind meistens unter dem Handelsnamen (Marke) als auch ihrem Freinamen, dem International Non-Proprietary Name (INN) bekannt. Der Freiname basiert meistens auf dem chemischen Begriff des Wirkstoffes. Medikamente werden in sogenannten Medikamentengruppen geordnet.


Zur Information dient jeweils die Packungsbeilage ("Waschzettel", Beipackzettel), Fachliteratur oder (für Laien empfehlenswert) Aufklärung durch medizinisches u. pharmazeutisches Fachpersonal.

Die Wissenschaftszweige, die sich u.a. mit Arzneimitteln und ihrer Wirkungsweise beschäftigen, sind die Pharmakologie und Pharmazie.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Medikamente dienen seit alters her bestimmte Pflanzen und Pflanzenteile und tierische Substanzen, z.B. wurde das Herzglykosid Digitalis zunächst aus der wild wachsenden Pflanze Roter Fingerhut gewonnen. In manchen Ländern werden immer noch Substanzen wie Nashornpulver gegen bestimmte Beschwerden eingesetzt.

In neuerer Zeit werden vor allem synthetische Präparate verwendet. Es gibt inzwischen eine kaum zu überblickende Vielzahl von Medikamenten für die gleiche Erkrankung, die sich voneinander nur unwesentlich unterscheiden. Laut WHO sind aber 325 Wirkstoffe zur Behandlung von den meisten behandelbaren Krankheiten ausreichend (2004). Da vor allem in Deutschland der Pro-Kopf-Verbrauch an Medikamenten erheblich gestiegen ist und damit auch die Ausgaben, haben es sich bestimmte Gremien (u.a. der Gemeinsame Bundesausschuss) zur Aufgabe gemacht, der Übertherapie entgegen zu wirken.

Die Kostenerstattung durch die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird nur für Medikamente übernommen, deren Nutzen belegt ist. Allerdings werden viele Studien, die die Wirksamkeit neu entwickelter Medikamente nicht bestätigen, von den Herstellern zurückgehalten. Einige Studien im Falle des Wirkstoffes Reboxetin weisen z.B. nach, dass das untersuchte Medikament nicht wirksamer als ein Placebo ist, im Gegensatz zu diesem aber z.T. unerwünschte Wirkungen auslöst.[1] Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat es sich u.a. zur Aufgabe gemacht, solche Studien gezielt nachzufragen, um die Flut unwirksamer (und z.T. auch schädlicher) Medikamente und damit die Gesundheitskosten einzudämmen.

Zulassung von Medikamenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entscheidung, ob ein neues Medikament auf den Markt kommen kann, wird vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (kurz: BfArM) getroffen. Das Zulassungsverfahren muss nach festgelegten Kriterien bezüglich der Wirksamkeit und Sicherheit sowie der pharmazeutischen Qualität durchlaufen werden. Dabei werden auch die Verschreibungspflichtigkeit oder die Freiverkäuflichkeit eines Medikamentes festgelegt.

Das Medikament kann aber seine Zulassung ganz oder teilweise verlieren, wenn sich erst in der praktischen Anwendung herausstellt, dass es gesundheitsschädigend wirkt oder für bestimmte Patientengruppen Risiken enthält (z.B. das im "Contergan-Skandal" bekannt gewordene Schlafmittel Thalidomid bei Schwangeren).

Medikamente bei alten Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Multimorbidität führt oft zur Einnahme einer gesteigerten Menge verschiedener Medikamente. Im Alter nimmt die Häufigkeit von Erkrankungen zu. Die Leute leiden an vielen Krankheiten gleichzeitig. Medikamente sind zwar im Rahmen ihres Zulassungsverfahrens überprüft worden, aber meist nur an männlichen Probanden in jüngerem Alter, die keine weiteren Medikamente zu sich genommen haben.

Aus diesen Gründen ergeben sich folgende Aspekte:

  • Die gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente machen Aussagen zu erwünschter Wirksamkeit oder unerwünschter Nebenwirkungen problematisch.
  • Die Verstoffwechselung der Medikamente kann verändert sein, da mit beeinträchtigten Organfunktionen zu rechnen ist.
  • Daher ist auch mit veränderter Wirksamkeit zu rechnen
  • Es entstehen praktische Probleme bei der Anwendung von Medikamenten durch Einschränkungen der Sicht und der Feinmotorik (Erkennen des Medikamentes, Lesen des Beipackzettels, Auspacken bzw. Öffnen von "kindersicheren" Verschlüssen, Erkennen der richtigen Dosierung, etc. Vgl. Compliance).

Aufgrund der (fast) immer vorhandenen "unerwünschten Wiirkungen" bzw. "Nebenwirkungen" sollte die Einnahme von Medikamenten so gering wie möglich gehalten werden. Alternativen zu Medikamenten bieten manchmal zum Beispiel physiotherapeutische Anwendungen, geeignete Ernährung, angepasster Tagesrhythmus, Psychohygiene etc.

Inzwischen wurde vom Projektverbund Priscus eine Liste von Medikamenten erstellt, die für ältere Menschen nicht oder nur bedingt geeignet sind.

Pflegerische Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datei:Brausetabletten2.jpg
Brausetabletten

Der Umgang mit Medikamenten (das Richten, Kontrollieren, Verteilen und Ausgeben) ist keine Vorbehaltsaufgabe von Pflegefachkräften. Das Arzneimittelgesetz schreibt zum Umgang lediglich "Kenntnis über das Medikament und dessen Wirkungen, Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Indikationsbeschränkungen" vor. Im Sinne der Durchführungsverantwortung und der Patientensicherheit sollte im stationären Bereich der Umgang mit Medikamenten nur an Personen übertragen werden, die über die entsprechenden Kenntnisse verfügen bzw. angeleitet wurden, und sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Zu den Aufgaben gehören:

  • Medikamente richten
  • 5(6)R-Regel beim Richten von Medikamenten einhalten
  • Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme: Information des Patienten über bestimmte Verhaltensregeln, die ggf. mit der Einnahme des Medikamentes einhergehen (z.B. Fahruntüchtigkeit, Sturzgefahr), Verabreichen von Medikamenten (unter Umgehung des Magen-Darm-Traktes s.c.- oder i.m.- Injektion, oder per os, via PEG bzw. ösophag. Magensonde, etc.). Dabei ist insbesondere bei oraler Darreichungsform darauf zu achten, dass das Medikament mit geeigneten Getränken in ausreichender Menge eingenommen wird und das bestimmte Nahrungsmittel ggf.nur in zeitlichem Abstand gegessen werden dürfen. Ähnliches gilt beim Verabreichen von Medikamenten über eine Ernährungssonde wie die PEG.
  • Beobachtung und Dokumentation der Medikamenten-Wirkung

Medikamentengruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Medikamente werden in Gruppen zusammengefasst, in denen therapeutisches Ziel und Einsatzgebiet auch bei chemischen Unterschieden der verschiedenen Medikamente weitgehend gleich sind, wie z. B. Analgetika, Antibiotika, Anticholinergika, Antidiabetika, Antiemetika, Antitussiva, Antihypertensiva, Psychopharmaka, Vitamine oder Zytostatika.

Die Rote Liste, ein Arzneimittelverzeichnis für Deutschland, nennt ungefähr 90 Hauptgruppen wie die oben genannten. Das mittlerweile gebräuchlichere Werk ist jedoch IFAP, das sowohl als Kliniksoftware existiert, wie auch als Kostenlose App für iPhone und Android.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Lanzendörfer , Joachim Scholz: Psychopharmakologie für Krankenpflegeberufe. Springer Berlin. 1993. ISBN
  • Herrmann Plötz: Kleine Arzneimittellehre, Springer-Verlag, Berlin, 2. Auflage – 1996, 380 S. ISBN
  • Jörg Blech: Heillose Medizin - Fragwürdige Therapien und wie Sie sich davor schützen können, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-10-004413-4

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweck dieses Gesetzes ist die Sicherheit im Verkehr mit Arzneimitteln, insbesondere die Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Arzneimittel.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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